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Chronik der Firma „L. Keßler & Sohn“ in Bernburg (Saale)

 

Der Gründer

Nach vollendeter Lehr- und Wanderzeit, die ihn durch Sachsen und Schlesien bis nach Prag, Brünn, Preßburg, Ofen und Wien führte, gründete am 3. März 1830 der junge Zinngießer- Meister Ludwig Keßler aus Köthen in Bernburg in der alten Ritterstrasse, die heute Breite Straße heißt, neben dem Gasthof „Zum Schwarzen Adler“ eine Zinngießerei.

Ludwig Keßler entstammte einer alten Zinngießer-Familie, die ursprünglich aus der Schweiz kam und seit 1700 in Mitteldeutschland lebte. Auch die Calmus, die Vorfahren seiner Mutter waren Zinngießer. 26 Jahre war er alt, als er sich in Bernburg selbstständig machte und heiratete.
Er begann mit einem kleinen Handwerksbetrieb und fabrizierte Zinngeschirr, Zinnlöffel, Bierseidel, Spritzer aller Art, Wärmflaschen, Abendmahls- und Taufkannen, Beinknöpfe und Zinnsoldaten (die kunstvoll in Schieferformen graviert und gegossen wurden).

Keßler

                            Foto Christine Keßler von Sprengseysen

Eine ganze Lehrbubenwerkstatt wurde damit beschäftigt die Zinnfiguren bunt anzumalen. Auch die Keßler-Jungens (Ludwig Keßler hatte 5 Söhne und 1 Tochter) mussten fleißig mithelfen, und wenn ihre Spielkameraden vom alten Markt kamen, die Blech-Sommers und die Kinder vom Juden Spanier, hieß es meistens: „Heute müssen unsere Jungen Zinnfiguren anmalen, kommt morgen wieder!“ Unermüdlicher Eifer brachte das Geschäft vorwärts.

Artur Keßler jun, verfasst 1946-1950; Roland Kleinpeter, Carl-Heinz Schmidt, Joachim Grossert, Beiträge; Christine Keßler von Sprengseysen: Recherchen, Abstimmung der gefundenen 4 Versionen und mit Dokumenten und Bildern ergänzt.


 

Keßler

Noch vor 1840 erwarb Ludwig Keßler ein eigenes Haus, Fährgasse Nr. 8 dicht an der Saale. Jede Weihnachten wurde eine reichhaltige Spielzeug-Ausstellung veranstaltet.
mit dem Bekenntnis zur deutschen Einheit an den König von Preußen unterzeichneten.
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2. Generation

Am 1. Oktober 1854 nahm Ludwig Keßler seinen ältesten Sohn Albert als Teilhaber auf. So hatte die Firma unter dem neuen Namen „L. Keßler & Sohn“ den verheißungsvollen Schritt in die Zukunft und in die 2. Generation getan. Albert Keßler war damals 23 Jahre alt, er hatte als Zinngießer gelernt und war auch in England gewesen, wo er das Patent der Zinnmantelrohre kennenlernte. Später wurde er Geheimer Kommerzienrat; wurde 1864 in den Gemeinderat gewählt und war 1867 führend bei der Gründung des Bernburger Konsum-Vereins; 1873 Stadtrat; 1878/88 Landtagsabgeordneter und 1887 Kreistagsabgeordneter. Außerdem war er in der Gemeindevertretung von St. Aegidien.

Um 1866 trat auch der 2. Sohn Louis ein, der schon mit der Zuckerfabrik in Paschleben ein kleines Vermögen erworben hatte. Louis war Kaufmann.
1868 folgte als 3. Sohn Theodor Keßler nach einer vielseitigen Ausbildung als Zinngießer in Süddeutschland, Metz, Paris und Kopenhagen. Er begann als Werkmeister im Betrieb.

Keßler

Theodor wurde 1906 Geheimer Kommerzienrat (bis 1919 staatlich verliehener Titel für Kaufleute, Unternehmer und Bankiers) und Mitglied der Handelskammer in Dessau. Er war Ritter I. Klasse und Träger des Anhaltischen Bärenordens.
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Die Biografie des letzten Eigentümers Artur Keßler jun ist mit der Firma „L.Keßler&Sohn“ so eng verbunden, dass sie wiedergegeben wird.
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So brach 1989 Sowjet-Rußland mit einem Wirtschafts-Chaos zusammen und öffnete den Eisernen Vorhang. In Ost-Deutschland demonstrierten die Menschen gegen die Zwangsherrschaft und stürmten die Mauer nach Westen. Am 9. November 1989 kam es zur deutschen Wiedervereinigung.
1990 folgte der Aufruf, enteigneten Besitz im Osten anzumelden. Ich wurde zum Sprecher unserer Familie. Genau 40 Jahre nach meiner Flucht betrat ich wieder Bernburg und unsere Fabrik.
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Auch Mami konnte wieder das Familiengut in Bernbruch und ihren Geburtsort Nitzschka bei Leipzig besuchen. Davon hatten wir nicht einmal geträumt.
Aber nun war alles Vertraute abgewirtschaftet und verfallen. Eine Verwendung dafür hatten wir nicht mehr und sollten eine Entschädigung erhalten.
Schnell bekamen wir viele neue Kontakte, aber auch viel Schriftverkehr - im Alter nochmal eine Aufgabe, die sich vielleicht einmal lohnt. ....
So schließt sich allmählich der Ring. Da kommen mir Goethes Verse in den Sinn:

Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehen
Es sei was es wolle, es war doch schön“

Keßler Keßler
Keßler Keßler
Keßler Keßler

5 Fotos: Dr. Hans-Werner Müller, Bernburg

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